Die Gebäudeversicherung

Das Thema Gebäudeversicherung wird in Österreich durchaus kontrovers diskutiert. Die einen sehen darin eine sinnvolle Maßnahme, um Eigentum und auch gewerbliche Immobilien gegen verschiedenste Schäden und Haftpflichtforderungen zu versichern, die anderen argumentieren eher in Richtung unnötige, über Gebühr bewertete Zusatzausgabe. Die Wahrheit ist, wie sooft, in der Mitte zu suchen, da sich eine Gebäudeversicherung tatsächlich nicht in jeder Situation und für jede Person bezahlt machen kann. Allerdings ist der Zuspruch dennoch sehr groß, wichtig ist für Sie ein angemessener Versicherungsabschluss. Mehrfachversicherungen können aufgrund einer bestehenden Eigenheim- oder Haushaltsversicherung (Hausrat) zu unnötigen Ausgaben und einer Überversicherung führen. Aber auch eine Unterversicherung droht, wenn Sie wichtige Details übersehen.

 

Keine Pflichtversicherung – Wer muss bezahlen?

Grundsätzlich gibt es in Österreich keine Pflicht zur Wohngebäudeversicherung. Vermieter, Haus-, Gebäude- und Immobilienbesitzer sind diesbezüglich an keinerlei Vorgaben gebunden und müssen auch Wünschen von Mietern in diesem Punkt nicht entsprechen. In Wohngebäuden mit einer Eigentümergemeinschaft entscheidet ein Mehrheitsentscheid darüber, ob eine Gebäudeversicherung abgeschlossen wird. In der Regel wird damit die zuständige Hausverwaltung beauftragt, die im Übrigen auch ohne Weisung der Eigentümergemeinschaft aufgrund einer Verwaltungsvollmacht eine entsprechende Versicherung abschließen kann.
Aber auch Mieter können mit diesbezüglichen Kosten belastet werden, in nahezu allen Betriebskostenabrechnungen tauchen entsprechende Abrechnungsposten auf. Grundsätzlich können Zusatzversicherungen auf die Mieterschaft nicht abgewälzt werden, allerdings sind folgende Versicherungsprämien zum Schutz des Gebäudes erlaubt:

  • Feuer
  • Haftpflicht
  • Schaden am Leitungswasser
  • Glasbruch und Schaden aus Sturm (erfordert die Zustimmung einer Mehrheit aller Mieter)

Hierbei handelt es sich um Basisposten der Gebäudeversicherung, die als Ausnahmefall (da keine Pflichtversicherung) den Mietern eines Gebäudes auferlegt werden dürfen. Zusätzliche Absicherungsmaßnahmen können nur nach Zustimmung der Mieter (mehrheitlich) erfolgen.

Welche Gebäudeteile versichert die Gebäudeversicherung?

Unter anderem kann die Gebäudeversicherung bei Brandschaden in Kraft treten.
Der häufigste Kritikpunkt in einer Debatte über die Wohngebäudeversicherung ist jener, dass diese sich mit anderen Versicherungen überschneidet. Dieses Argument ist teilweise richtig, da tatsächlich eine Eigenheimversicherung Punkte enthalten kann, die in einer anderen Versicherung bereits gedeckt sind. Für Ihr allgemeines Verständnis ist daher zunächst wichtig, dass Sie den Unterschied zwischen diesen Versicherungsprodukten kennen.

  1. Die Eigenheim- oder Haushaltsversicherung (Hausratversicherung) schützt vor allem Ihr Hab und Gut innerhalb Ihrer Wohnung bzw. im Haus (inklusive Garage, Kellerabteil, Garten, Fahrradkeller, Dachboden usw.) bei Schaden und Diebstahl.
  2. Die Gebäudeversicherung schützt das Gebäude an sich, ein Haus, eine Gewerbeimmobilie und dazugehörige Grundstücke und Nebengebäude. Umgemünzt auf einen klassischen Mehrparteienwohnblock würden hier vor allem allgemein und gemeinschaftlich genutzte Gebäudeteile durch die Versicherung vor Schäden geschützt werden.

Welche Schadensbereiche sind gedeckt?

Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um die folgenden Punkte, die durch die Wohngebäudeversicherung geschützt werden:

  • Feuerversicherung (Brand und Feuer, Blitzschlag, Explosion, Folgeschäden durch Löscharbeiten…).
  • Sturmschäden resultierend aus Spitzengeschwindigkeiten über 60 km/h und etwaige Folgeschäden.
  • Haftpflichtversicherung zur Abwehr unberechtigter Schadensersatzforderungen oder zur Befriedung berechtigter Forderungen (gestellt an den Besitzer des Gebäudes).
  • Gegen austretendes Wasser aus wasserführenden Anlagen, Einrichtungen oder Maschinen; sowie Frost- und Bruchschäden an Rohrleitungen, Auftaukosten.

Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Sondervereinbarungen, die im Bedarfsfall und nach Absprache wahrgenommen werden können. Diese wirken sich natürlich auf die Versicherungsbeiträge negativ aus, sind aber in Einzelfällen absolut sinnvoll (z.B. Photovoltaikanlage).
Wichtig: Im Übrigen werden einige Schäden durch diese Versicherung nicht abgedeckt.

Versicherungskosten und Versicherungssumme

Die Prämien einer Gebäudeversicherung sind von Einflussfaktoren abhängig (c)Bigstockphoto.com/145188365/AntonioGuillem

Die Versicherungskosten können leider nicht pauschal benannt werden. Hierfür zeigt sich eine Reihe von Punkten und Variablen verantwortlich, die letztendlich den Preis bestimmen. Grundsätzlich ist eine Basisversorgung unter- bestimmten Voraussetzungen ab 15 € pro Monat möglich, im Schnitt ist ein guter Abschluss bei Jahresausgaben von 300 – 400 € möglich. Entscheidende Kostenfaktoren sind auf jeden Fall:

  • Standort (Gefahrenzonen Sturm und Naturkatastrophen, Kriminalität)
  • Alter des Gebäudes
  • Größe des Gebäudes
  • Nutzung (private Wohnfläche, Gewerbe)
  • Deckungsumfang (Was wird Wie umfangreich versichert?)

In einer direkten Beziehung zu den Versicherungskosten stehen auch die Versicherungssummen. Diese müssen Sie richtig wählen, da Sie ansonsten unter Umständen auf Ihren Schäden sitzen bleiben. Anhand der Versicherungskosten und des Gebäudewertes (Neubauwert) lässt sich ermitteln, wie hoch die Versicherungssumme sein muss. Diese sollte einen Totalschaden, eine Reperatur und einen Neubau stemmen können.
Tipp: Bestehen Sie vertraglich auf einen gleitenden Neubau, da sich die Baukosten im Laufe der Zeit ändern. Nur so können Sie gegen eine mögliche Unterversicherung vorbeugen!

Gewerbliche Gebäudeversicherung

Einen gewissen Sonderstatus nehmen Immobilien und Liegenschaften ein, die gewerblich genutzt werden. Zum einen sind hier die Anforderungen an eine entsprechende Versicherung umfangreicher, zum anderen sind auch die Jahresausgaben diesbezüglich höher. Da hierfür eine klassische Eigenheimversicherung entfällt, müssen andere Lösungen zum Schutz erdacht und abgeschlossen werden.
In der Regel haben sich im gewerblichen Bereich verschiedene Kombinationen (individuell maßgeschneidert auf die jeweiligen Gewerbe- und Gebäudeanforderungen) bewährt, die zusätzlich bzw. als Betriebsbündel oder Betriebsversicherung abzuschließen sind. Dazu zählen unter Anderem:

  • Elementarversicherung (enthält auch Einbruchdiebstahl, Raub und Vandalismus)
  • Spezifische Gewerbeversicherungen (Betriebsunterbrechung, Maschinen, Technik, Bauwesen usw.)
  • Recht und Haftung (Haftpflicht, Rechtsschutz)

Insgesamt sind die Vorzeichen für eine gewerbliche Gebäudeversicherung ähnlich wie bei einer klassischen Wohngebäudeversicherung, allerdings gibt es viel mehr individuelle Lösungen.
Wichtig: Eine Liegenschaft oder Immobilie kann von einer gewerblichen zu einer Miet- oder Wohnnutzung wechseln. Das bestehende Versicherungsprodukt sollte sofort geändert werden, da Sie ansonsten Mehrkosten aufgrund des gewerblichen Tarifes bezahlen müssen.

Weiterführende Links

http://news.immowelt.at/n/2313-faktor-betriebskosten-was-muss-der-mieter-zahlen.html
http://kaernten.orf.at/news/stories/2804872/

[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]