Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört auf jeden Fall zu den Versicherungen, die fast jedem Bürger auch in Österreich ausnahmslos empfohlen werden können. Zumindest sollte sich jeder Arbeitnehmer sowie jeder Selbstständige über den Weg der Berufsunfähigkeitsversicherung gegen das mittlerweile relativ hohe Risiko der Berufsunfähigkeit und die negativen finanziellen Folgen absichern. Denn grundsätzlich hat die Versicherung die Aufgabe, nach Eintritt einer Berufsunfähigkeit eine Berufsunfähigkeitsrente zu zahlen und somit quasi den Wegfall des Einkommens zu kompensieren, was teilweise über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg der Fall sein kann.

 

Die Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung hat im Prinzip nur eine Hauptleistung, nämlich im Falle der Berufsunfähigkeit die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) an den Versicherungsnehmer zu zahlen. Die Leistungspflicht entsteht immer dann, wenn der Versicherungsnehmer berufsunfähig geworden ist, was mindestens durch eine ärztliche Bescheinigung nachzuweisen ist. Meistens lassen die Versicherungsunternehmen allerdings zusätzlich ein Gutachten erstellen, aus dem ebenfalls hervorgehen sollte, für welchen Zeitraum der Versicherungsnehmer voraussichtlich berufsunfähig ist. Bei den meisten Versicherungsgesellschaften ist es dann so, dass die Zahlung einer Berufsunfähigkeitsrente vorgenommen wird, falls das Gutachten oder das ärztliche Attest zu der Erkenntnis kommt, dass der Versicherungsnehmer mindestens für die nächsten sechs Monate berufsunfähig sein wird. In aller Regel wird dann in regelmäßigen Abständen überprüft, ob die Berufsunfähigkeit auch weiterhin vorhanden ist. Sollte dies der Fall sein kann, kann es durchaus passieren, dass der Versicherer eine lebenslange Berufsunfähigkeitsrente zahlen muss, die erst mit dem Eintritt ins Rentenalter beendet wird.

Wichtig: Unterschied zwischen Berufsunfähigkeit und Erwerbsunfähigkeit

Bevor man sich für eine Berufsunfähigkeitsversicherung entscheidet, sollte ein sehr wichtiger Unterschied bekannt sein, nämlich der zwischen der Berufsunfähigkeit und der Erwerbsunfähigkeit. Dieser Unterschied kann auch bei der jeweiligen Versicherung später noch von Bedeutung sein, nämlich wenn es um das abstrakte Weisungsrecht geht, welches im Folgenden noch näher erläutert wird. Von Berufsunfähigkeit wird immer dann gesprochen, wenn der Verbraucher nicht mehr dazu in der Lage ist, seinem erlernten bzw. zuletzt ausgeübten Beruf in ausreichendem Umfang nachzukommen. Meistens wird dann von Berufsunfähigkeit gesprochen, wenn der Versicherungsnehmer nicht mehr in der Lage ist, mindestens vier Stunden am Tag in seinem Beruf zu arbeiten. Im Unterschied zur Erwerbsunfähigkeit reicht es bei der Berufsunfähigkeit also aus, dass die erlernte bzw. zuletzt ausgeübte Tätigkeit nicht mehr in ausreichendem Umfang ausgeführt werden kann.

Bei der Erwerbsunfähigkeit ist es hingegen so, dass der Verbraucher im Prinzip nicht mehr in der Lage sein muss, „irgendeine“ Tätigkeit in ausreichendem Umfang durchzuführen. Wer also beispielsweise als Dachdecker tätig ist, der kann zwar berufsunfähig werden, weil er diesen körperlich relativ anstrengenden Beruf nicht mehr ausüben kann. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass der Betroffene gleichzeitig auch erwerbsunfähig ist. Könnte er nämlich beispielsweise leichte Tätigkeiten, wie zum Beispiel die eines Pförtners, noch ausführen, so wäre dies keine Erwerbsunfähigkeit. Genau aus diesem Grund ist es auch so wichtig, dass bei dem Vertrag zu Berufsunfähigkeitsversicherungen darauf geachtet wird, dass auch wirklich die Berufsunfähigkeit und nicht letztendlich nur die Erwerbsunfähigkeit versichert ist.

Mögliche Gründe für den Eintritt der Berufsunfähigkeit

Erkrankung im Bereich der Gelenke oder Muskeln

Erkrankung im Bereich der Gelenke oder Muskeln

Nicht wenige Verbraucher sind sicherlich der Auffassung, dass nur solche Personen von der Berufsunfähigkeit betroffen sind, die in körperlich besonders anstrengenden Berufen tätig sind. Bis vor einigen Jahren traf dies auch sicherlich noch zu, jedoch hat sich das Bild in der Vergangenheit deutlich verändert. Mittlerweile sind es nämlich auch viele Personen, die körperlich leichtere Tätigkeiten ausführen, die von einer Berufsunfähigkeit betroffen sind. Im Wesentlichen sind es insbesondere die folgenden Gründe, die zu einer Berufsunfähigkeit führen:

  • Psychische Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen oder Burn-Out
  • Erkrankungen im Bereich der Gelenke oder Muskeln (Bewegungsapparat)
  • Krebserkrankungen
  • Herz- und Kreislauferkrankungen

Insbesondere psychische Erkrankungen haben sich von der Anzahl her in den vergangenen Jahren erheblich als Grund für die Berufsunfähigkeit gesteigert. Mittlerweile sind es auch in Österreich mehr als 30 Prozent aller Fälle von Berufsunfähigkeit, die auf eine psychische Störung bzw. Erkrankung zurückzuführen sind. Daher ist es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung sehr wichtig, dass bei Vertragsabschluss darauf geachtet wird, dass psychische Erkrankungen von der Leistungspflicht nicht ausgenommen sind, was durchaus bei einigen Versicherern der Fall sein kann.

Das abstrakte Weisungsrecht

Eine ganz wichtige Vertragsklausel ist bei der Berufsunfähigkeitsversicherung das sogenannte abstrakte Verweisungsrecht. Dieses Weisungsrecht besagt nämlich, dass der Versicherer bei Eintritt einer Berufsunfähigkeit das Recht hat, vom Versicherten zu verlangen, dass dieser eine andere Tätigkeit ausführt. De facto müsste der Versicherungsnehmer dann also erwerbsunfähig werden, um in den Genuss der vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente zu kommen. Wird hingegen auf das abstrakte Weisungsrecht verzichtet, so handelt es sich tatsächlich um eine echte Berufsunfähigkeitsversicherung, da die Leistungspflicht bereits mit Eintritt der Berufsunfähigkeit und nicht erst mit der Erwerbsunfähigkeit beginnt.

Wonach richtet sich der Beitrag zur Versicherung?

Faktoren für die Versicherungsprämie

Alter und Vorerkrankungen sind wichtige Faktoren für die Versicherungsprämie

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist es – wie bei den meisten anderen Versicherungen ebenfalls – so, dass sich der zu zahlende Beitrag nach verschiedenen Faktoren richtet. Ein maßgeblicher Faktor ist beispielsweise der Beruf, in dem der jeweilige Versicherungsnehmer tätig ist. Die meisten Versicherungsgesellschaften haben die zahlreichen beruflichen Tätigkeiten, die es in der Praxis gibt, in bestimmte Gefahrengruppen eingeteilt. Demnach ist es im größeren Umfang beim ausgeübten Beruf abhängig, wie hoch der zu zahlende Beitrag ist. Darüber hinaus gibt es noch einige weitere Faktoren, die sich auf die Höhe der Versicherungsprämien auswirken. Dazu gehören in erster Linie:

  • Alter des Versicherungsnehmers
  • Laufzeit der Versicherung
  • Vorerkrankungen
  • sonstige besondere Risiken
  • Höhe der Berufsunfähigkeitsrente

Höhe der BU-Rente und Versicherungslaufzeit

Neben dem bereits erwähnten abstrakten Weisungsrecht gibt es noch einige weitere wichtige Vertragsinhalte, die beim Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung berücksichtigt werden sollten. Ein ganz wichtiger Punkt ist natürlich die Höhe der im Leistungsfall zu zahlenden Berufsunfähigkeitsrente. Hier sollte sich der Versicherungsnehmer möglichst an seinem aktuellen Einkommen orientieren, denn immerhin muss Berufsunfähigkeitsrente später in den meisten Fällen den Wegfall des gesamten Einkommens kompensieren. Wer also beispielsweise derzeit ein Nettoeinkommen von monatlich 2.000 Euro hat, der sollte sich auch in diesem Umfang für eine BU-Rente entscheiden.

Ein weiterer wichtiger Vertragsinhalt ist natürlich die Laufzeit, über die der Versicherungsnehmer gegen die Berufsunfähigkeit abgesichert ist. Nicht selten bieten Versicherer Verträge mit einer Laufzeit von zehn Jahren an, die natürlich im Einzelfall absolut unzureichend sein kann. Experten raten dazu, bei der Berufsunfähigkeitsversicherung eine Laufzeit zu wählen, sodass der Vertrag erst mit dem Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rente endet. Die Laufzeit der Berufsunfähigkeitsversicherung sollte also erst mit dem Alter ändern, mit dem der Versicherte in Rente gehen kann.

Insgesamt betrachtet gibt es also zahlreiche Aspekte zu beachten, bevor eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen wird. Daher ist es natürlich sinnvoll, die zahlreichen Angebote am Markt miteinander zu vergleichen, um wirklich die beste Versicherung zu finden.

Wann ist eine BU sinnvoll?

Einkommen sichern

Einkommen sichern

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) gehört mittlerweile auch in Österreich mit zu den wichtigsten privaten Versicherungen überhaupt. Sinnvoll ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung ausnahmslos immer dann, wenn der Versicherungsnehmer ein Einkommen erzielt, welches abzusichern ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob einer abhängigen Beschäftigung nachgegangen wird oder der Versicherungsnehmer selbstständig tätig ist. Bei Selbstständigen ist die Absicherung über eine Berufsunfähigkeitsversicherung sogar meistens noch wichtiger, da in der Regel keine oder nur eine geringe staatliche Absicherung im Falle der Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit vorhanden ist.

Was beinhaltet der Prognosezeitraum?

Der Prognosezeitraum hat in der BU-Versicherung deshalb eine große Bedeutung, weil der Versicherer nur dann mit seiner Leistung eintritt, wenn die vorhandene Berufsunfähigkeit seitens eines Arztes bestätigt wurde. Dabei beinhaltet der Prognosezeitraum, dass der Arzt eine Einschätzung gibt, für welchen Zeitraum die Berufsunfähigkeit mindestens anhalten wird. Dabei wird ein Prognosezeitraum von sechs Monaten empfohlen, während deutlich längere Zeiträume von beispielsweise zwei oder drei Jahren deshalb für den Versicherungsnehmer relativ nachteilig sind, weil es aus ärztlicher Sicht kaum oder gar nicht möglich ist, eine Prognose für einen so langen Zeitraum zu geben.

Welche Erkrankungen sind bei Antragstellung anzugeben?

Die Frage nach den Krankheiten, die beim Antrag auf Abschluss einer BU-Versicherung angegeben werden müssen, lässt sich relativ pauschal beantworten. Von großer Bedeutung ist es nämlich, sämtliche Erkrankungen – auch aus der Vergangenheit – anzugeben, die einen Einfluss auf die Berufsunfähigkeit haben können, was die Zukunft angeht. Natur natürlich muss hier nicht jede vergangene Erkältung aufgeführt werden, aber sämtliche Erkrankungen, die entweder aktuell noch vorhanden sind oder zumindest zu einem statistisch höheren Risiko führen können, das später eine Berufsunfähigkeit eintritt, sollten auf jeden Fall aufgeführt werden.

Kann die vereinbarte BU-Rente später noch erhöht werden?

Die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) kann im Zuge der Berufsunfähigkeitsversicherung immer dann zu einem späteren Zeitpunkt erhöht werden, falls zwischen dem Versicherungsnehmer und der Versicherungsgesellschaft eine sogenannte Nachversicherungsgarantie vereinbart wurde. In diesem Fall ist eine Erhöhung sogar möglich, ohne dass eine nochmalige Gesundheitsprüfung stattfindet. Meistens wird diese Garantie an bestimmte Ereignisse gekoppelt, wie zum Beispiel an eine Hochzeit oder an den Abschluss einer Berufsausbildung. Falls keine Nachversicherungsgarantie vereinbart worden ist, kann alternativ bei der BU-Versicherung auch eine Dynamik abgeschlossen werden. Hier erhöht sich die Leistung dann automatisch beispielsweise um jährlich zwei Prozent.

Können die Versicherungsprämien von der Steuer abgesetzt werden?

BU von der Steuer absetzen

BU von der Steuer teilweise absetzbar

Grundsätzlich ist es in Österreich möglich, die Versicherungsprämien für die Berufsunfähigkeitsversicherung von der Steuer abzusetzen. Allerdings sind hier Höchstgrenzen bei den Sonderausgaben zu beachten. Von insgesamt maximal 2.920 Euro pro Jahr wird maximal ein Viertel (demnach 730 Euro) steuermindernd berücksichtigt. Wer mit seinem Einkommen allerdings über 60.000 Euro liegt, kann diese Ausgaben nicht absetzen.

Kombination mit Ablebenversicherung

Viele Verbraucher möchten nicht nur die eigene Berufsunfähigkeit absichern, sondern gleichzeitig eine Absicherung der Angehörigen für den eigenen Todesfall vornehmen. Ist dies gewünscht, ist es meistens vom Beitrag her günstiger, die Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Ablebensversicherung zu kombinieren. In der Regel ist dann in der Summe ein geringerer Beitrag zu zahlen, als wenn sich der Kunde für zwei getrennte Versicherungen entscheidet. Über eine Ablebensversicherung sollte grundsätzlich ohnehin nachgedacht werden, auch wenn keine Berufsunfähigkeits-Versicherung gewählt wird. Diese kann nämlich zu mindestens dafür sorgen, dass die Angehörigen später nicht die Begräbniskosten zahlen müssen.

Vorraussetzungen für die Berufsunfähigkeit

Es gibt verschiedene Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit man als berufsunfähig gilt. Zunächst einmal muss der Versicherungsnehmer nur noch weniger als 50 Prozent der Arbeitsfähigkeit von gesunden Personen aufweisen, falls eine anerkannte Berufsunfähigkeit vorhanden sein soll. Eine weitere Voraussetzung dafür, dass Personen als berufsunfähig gelten können, besteht darin, dass in den letzten 15 Jahren vor dem Eintritt des Versicherungsfalls 90 Monate oder länger eine Beschäftigung als Arbeitnehmer durchgeführt wurde. Sollte der Leistungsfall eingetreten sein, wird der Versicherer die Arbeitsfähigkeit des Versicherten durch einen beauftragten Gutachter prüfen lassen. Dabei findet auch die bisher ausgeübte berufliche Tätigkeit eine Berücksichtigung.

Die dynamische Berufsunfähigkeitsversicherung

dynamische Berufsunfähikgeitsversicherung

Versicherungsnehmer profitieren von der Dynamik

Da eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Leistungsfall das bisherige Einkommen beispielsweise auch in zehn oder 20 Jahren noch möglichst vollständig kompensieren können soll, ist der Einfluss einer sogenannten Dynamik empfehlenswert. Die dynamische Berufsunfähigkeitsversicherung beinhaltet, dass in erster Linie die Leistungen, aber dementsprechend auch die Versicherungsprämien, in regelmäßigen Abständen erhöht werden. Meistens geschieht dies jährlich, sodass beispielsweise eine Dynamik von zwei Prozent eingeschlossen werden kann. Versicherungsnehmer profitieren insoweit von der Dynamik, als dass einerseits später die Geldentwertung durch Inflation ausgeglichen werden kann und darüber hinaus ist keine neuerliche Gesundheitsprüfung erforderlich.

Muss ich dem Versicherer einen Berufswechsel melden?

Grundsätzlich hängt es von den Versicherungsbedingungen des jeweiligen Versicherers ab, ob ein Wechsel der beruflichen Tätigkeit gemeldet werden muss. Fest steht allerdings, dass die BU-Versicherung ihre Gültigkeit nach einem Berufswechsel nicht verliert. Es kann lediglich passieren, dass der Versicherer nach einem durchgeführten und gemeldeten Berufswechsel die Prämie anpasst, was allerdings eher die Ausnahme ist.

Warum brauche ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die wesentliche Aufgabe Berufsunfähigkeitsversicherung besteht darin, für eine finanzielle Absicherung zu sorgen, falls das bisherige Einkommen aufgrund einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit nicht mehr zur Verfügung steht. Die Berufsunfähigkeitsversicherung sichert also nicht weniger als die finanzielle Existenz ab, denn selbst staatliche Leistungen bei Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit reichen in den weitaus meisten Fällen nicht auf, um einen angemessenen Lebensstandard halten zu können.

Welche Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen gibt es in Österreich?

In Österreich gibt es diverse Versicherungsgesellschaften, die unter anderem eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Angebot haben. Dazu gehören unter anderem die folgenden Versicherer:

  • Dialog Lebensversicherung AG
  • HDI Gerling Lebensversicherung
  • NÜRNBERGER Versicherung AG Österreich
  • WWK Versicherungen
  • Inter Risk

Weiterführende Artikel

Besonders ist hier die Ablebensversicherung als spezielle Form der Lebensversicherung zu nennen, die mit der Berufsunfähigkeitsversicherung kombiniert werden kann.

[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]