Die private Unfallversicherung


In Österreich sind die meisten selbständig und unselbständig Erwerbstätigen, sowie seit 1977 auch Schüler und Studenten, für bestimmte Gesundheitsschäden über die gesetzliche Unfallversicherung finanziell abgesichert. Allerdings hat diese Versicherung einen großen Nachteil. Es gibt nur zwei Arten von Versicherungsfällen, bei deren Auftreten diese gesetzlich verankerte Versicherung Leistungen übernimmt. Der erste Versicherungsfall ist ein möglicher Arbeitsunfall, bei dem es sich um einen Unfall handelt, der entweder an der Arbeitsstätte selbst oder auf dem Weg zur Arbeit (Wegeunfall) passiert ist. Der zweite Versicherungsfall ist eine Berufskrankheit, die ausschließlich auf die ausgeübte Tätigkeit zurückzuführen ist, was in der Praxis häufig schwer zu beweisen ist. Für alle anderen Risiken, zum Beispiel Unfälle in der Freizeit oder im Haushalt ist diese gesetzliche Versicherung nicht zuständig. Statistisch gesehen, passieren jedoch genau bei solchen Aktivitäten die meisten Unfälle. Aus diesem Grund ist es sehr empfehlenswert, dass sich Bürger zusätzlich über eine private Unfallversicherung absichern.

 

Was ist eine Unfallversicherung? Wann und Wo leistet die Versicherung?

Zwar sind über die zuvor genannte gesetzliche Unfallversicherung bereits einige Risiken versichert, jedoch ist es statistisch erwiesen, dass sich die meisten Unfälle weder am Arbeitsplatz noch auf dem Weg zur Arbeit ereignen, sondern im Privatbereich. Das kann beispielsweise bei Sportveranstaltungen oder im Straßenverkehr sein. Die gesetzliche Unfallversicherung erbringt hier leider keine Leistung. Daher ist es den meisten Verbrauchern in Österreich zu empfehlen, sich zusätzlich für eine private Versicherung zu entscheiden. Eine derartige Versicherung hat den wesentlichen Vorteil, dass sie zeitlich nicht eingeschränkt ist. Sie leistet in der Freizeit und rund um die Uhr. Darüber hinaus greift der Versicherungsschutz an jedem Ort, sowohl im Inland als auch im Ausland und vollkommen unabhängig von der beruflichen Tätigkeit.

Unfallversicherung

Welche Leistungen beinhaltet die private Unfallversicherung?

Bei der gesetzlichen Unfallversicherung ist es so, dass es bezüglich der Schäden nur „Schwarz“ oder „Weiß“ gibt. Entweder wird der Unfall anerkannt, dann erhält der Versicherungsnehmer die komplette, zugesagte Leistung. Wird der Unfall hingegen nicht anerkannt, erhält der Verbraucher gar nichts. Anders stellt sich die Situation hingegen nach einem Schaden bei der privaten Versicherung dar. Hier gibt es mehrere Leistungen, die je nach Unfall auch aus unterschiedlichen Teilen bestehen können.

Die Hauptleistung der zusätzlichen Unfallversicherung besteht aus Sicht der Versicherungsgesellschaft eindeutig darin, nach einem Unfall (Schadensereignis) mit dauerhaften Verletzungsfolgen eine bestimmte Invaliditätssumme zu zahlen. Die Versicherungssumme als Grundlage wird zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer bei Vertragsabschluss vereinbart und kann beispielsweise 100.000 Euro betragen. Diese wird dann als Dauerinvaliditäts – Leistung ausbezahlt. Anstatt oder zusätzlich zur Einmalzahlung kann auch eine Unfallrente mit der Versicherung vereinbart werden. Bei manchen Anbietern wird die Hälfte dieser vereinbarten Rente bereits ab einer Invalidität von 35 % ausbezahlt – ansonsten meist ab 50 %.

Es gibt hier eine Grundversicherungssumme und je höher die Invalidität nach einem Unfall ist, wird die Leistung meist progressiv gesteigert. Wie hoch diese Progression ist, hängt vom jeweiligen Anbieter ab.

Tipp: Eine Faustregel besagt, dass die Maximalversicherungssumme (Auszahlungssumme bei höchster Invalidität) das 40 bis 50 fache Jahresgehalt betragen soll.

Die Gliedertaxe

Nun erhält der Kunde allerdings keineswegs bei jedem Schaden mit Verletzungsfolgen diesen Betrag ausgezahlt, sondern auf Basis der sogenannten Gliedertaxe wird in aller Regel ein festgelegter Prozentsatz ausgezahlt. In der Gliedertaxe ist genau definiert, welche Prozentsätze für welche Art von Verletzungen gelten. So kann es beispielsweise passieren, dass der Versicherungsnehmer auf Basis der Gliedertaxe eine Auszahlung von 25.000 Euro (25 Prozent) erhält, falls er bei einem Unfall einen Finger verliert. Auf ähnliche Art und Weise sind die am häufigsten vorkommenden Verletzungen über die Gliedertaxe definiert, sodass auf Basis der Grundinvaliditätssumme stets klar ist, mit welcher Auszahlung der Versicherte rechnen kann.

Tipp: Stet direkt nach einem Unfall die zu erwartende bleibende Invalidität noch nicht fest, wird 1 Jahr nach dem Unfall für Sie ein Termin bei einem Gutachter vereinbart. Dieser Gutachter stellt die Invalidität Anhand der Röntgen- oder MRT Bilder und einer Untersuchung fest. Es gibt Anbieter, die einen sogenannten Verletzungskatalog führen. Das bedeutet, dass Sie nicht 1 Jahr auf die Entschädigung der Unfallversicherung warten müssen. Sie erhalten diesen Betrag gleich ausbezahlt.

Weitere Leistungen der privaten Unfallversicherung

Zu den Leistungen gehört allerdings keineswegs nur die Leistung aufgrund einer Dauerinvalidität, sondern es können im Vertrag noch weitere Leistungen vereinbart werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Zahlung einer lebenslangen Unfallrente
  • Soforthilfen am Unfallort
  • Todesfallabsicherung
  • Übernahme von Bergungskosten
  • Stellen einer Haushaltshilfe
  • Rücktransport in die Heimat bei einem Unfall im Ausland
  • Zahlung von Taggeld zu Hause oder Spitalstaggeld
  • Sonderklasse bei einem stationären Aufenthalt im Krankenhaus
  • Kosten für Physiotherapien oder Heilbehelfe in Form der Unfallkosten

Die Unfallrente

Neben der Invaliditäts – Leistung ist sicherlich die Vereinbarung eines dauerhaften Rentenbeitrags eine Leistung, die im Zuge dieser Unfallversicherung von besonderer Bedeutung ist und häufig genutzt wird. Zwar trägt bereits die Auszahlung der Invaliditätssumme oftmals dazu bei, dass die finanziellen Folgen des Unfalls zunächst abgedeckt werden können. Insbesondere dann, wenn aus den Verletzungen eine dauerhafte Berufsunfähigkeit resultiert, reicht die gezahlte Invaliditätssumme allerdings selten aus, um die dadurch entstehenden Einkommenseinbußen zu kompensieren. Daher ist es in vielen Fällen sinnvoll, zusätzlich eine solche Rente zu vereinbaren. Diese Rente wird jedoch nur dann ausbezahlt, wenn eine gewissen Invalidität vorhanden ist. Wie bereits oben erwähnt, wird diese meist ab 50 % Invalidität bezahlt.

Irrtum: Es ist ein Trugschluss, dass die Unfallversicherung nach einem Unfall die vereinbarte Unfallrente ausbezahlt, wenn sich aufgrund des Unfalls eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit ergibt. Diese Leistung ist in Form einer Berufsunfähigkeitsrente oder Erwerbsunfähigkeitsrente abzuschließen.

Was kostet eine private Unfallversicherung?

Wer mit dem Gedanken spielt, eine private Unfallversicherung zur zusätzlichen Absicherung abzuschließen, den interessiert natürlich auch die Höhe des zu zahlenden Beitrages. Pauschale Aussagen gibt es in dem Bereich nicht, was unter anderem damit zusammenhängt, dass es zu viele Anbieter sowie Tarife gibt und sich die Höhe der Beiträge teilweise deutlich unterscheiden. Darüber hinaus gibt es diverse Faktoren, die sich auf die zu zahlende Versicherungsprämie auswirken können.

Welche Einflussfaktoren (Zusatzbausteine) wirken sich auf die Kosten einer Unfallversicherung aus?

  • Höhe der Grundinvaliditätssumme
  • Höhe der Progression bei der Invaliditätssumme
  • günstigere Gliedertaxe
  • Beruf des Versicherungsnehmers
  • Höhe der vereinbarten Unfallrente
  • Absicherung zusätzlicher Risiken (Sportrisiken, Vereinstätigkeiten, etc.)
  • Alter des Versicherungsnehmers bei Abschluss des Vertrages (Senioren ab 70 – 75 bezahlen häufig höhere Beiträge)

Wie an der vorherigen Aufzählung zu erkennen ist, gibt es durchaus einige Faktoren, die sich auf die Höhe des Beitrages zur zusätzlichen Unfallversicherung auswirken können. Den größten Anteil macht sicherlich die Invaliditätssumme aus, welche die Basis für jede Unfallversicherung ist. Der Beitrag wird höher, wenn Sie sich entscheiden, zusätzlich die Absicherung in Form einer Unfallrente in den Vertrag mit aufzunehmen. Hier spielt im Wesentlichen die Höhe der monatlichen Rente eine Rolle, sodass sich der Beitrag durchaus um 30 bis 40 Prozent erhöhen kann, falls statt einer monatlichen Rente von 500 Euro beispielsweise 1.000 oder 1.500 Euro gezahlt werden sollen.

Unfallversicherung

Der Beruf und das Alter des Versicherten wirken sich – wie bei vielen Personenversicherungen – ebenfalls auf die Höhe der zu zahlende Versicherungsprämie aus. Die meisten Unfallversicherer stufen ihre Kunden in zwei oder drei Berufsgruppen ein, die häufig in Gefahrenklassen „A“, „B“ und „C“ eingeteilt werden. Besonders günstig können sich in aller Regel Bürger versichern, die sogenannte Bürojobs ausführen. Das Unfallrisiko ist hier natürlich deutlich geringer als zum Beispiel auf dem Bau. Wer eine besonders gefährliche Sportart ausübt, beispielsweise Motocross fahren, Free-Climbing, Klettern oder Fallschirmspringen, der muss damit rechnen, einen Zuschlag zur Prämie zu zahlen.

Die Kinder – Unfallversicherung

Nicht nur Erwachsene sind einem gewissen Unfallrisiko ausgesetzt. Auch bei Kindern können Unfallgefahren lauern. Sei es bei einem Verkehrsunfall oder beim Radfahren, etc.. Daher ist es in sehr vielen Fällen sinnvoll, dass auch minderjährige Kinder bereits über eine private Unfallversicherung versichert sind. Für Kinder geht es in diesem Sinn nicht darum ein Einkommen abzusichern. Es geht vielmehr darum, dass man seinem Kind auch wenn es aufgrund eines Unfalls behindert oder eingeschränkt sein sollte, mit der Versicherungsleistung, ein lebenswertes Leben ermöglichen kann. Das kann man mit dem Geld der Versicherung gewährleisten, wenn man die Versicherungsleistung dementsprechend wählt.

Ein Unfall bei Kindern kann auch zu einer lebenslangen Berufsunfähigkeit führen. Meist kann das Kind nach einem Unfall keine angesehene und gut bezahlte Karriere mehr starten. Das Kind kann somit auch nie ein geregeltes Einkommen erzielen. Es wird mehr auf Hilfe angewiesen sein. Zu diesem Zweck bieten zahlreiche Versicherer spezielle Kinder-Unfallversicherungen an mit der viele Gesundheitsrisiken zumindest in finanzieller Hinsicht abgesichert werden können.

Die Seniorenunfallversicherung

Gerade in der Pension ist es nützlich eine Unfallversicherung zu haben. Das Leben besteht sozusagen „nur“ noch aus Freizeit und meist ist man mehr unterwegs als während der aktiven Arbeitszeit. Sei es bei Wanderungen, Ausflüge oder Radtouren. Endlich Zeit den verdienten Ruhestand zu genießen. Die Knochen werden jedoch oft brüchiger und ein kleiner Sturz kann bereits zu einem Knochenbruch oder einem gerissenen Band führen.

Was gilt es zu beachten?

Die Unfallhäufigkeit bzw. die schwere der Unfälle bei Senioren ist auch der Grund weshalb nahezu alle Anbieter die Versicherungssumme ab einem Alter zwischen dem 70 und 75 Lebensjahr reduzieren oder die Prämie nach oben korrigieren. Das ist jedoch nicht genug. Ist ein Unfall passiert, bezahlen die meisten Versicherer die Invaliditätszahlung nicht mehr auf einmal an Sie aus, sondern in Form von einer ewigen Rente. Es gibt hier sehr wenige Anbieter, die nach wie vor noch die Einmalzahlung an Sie auszahlen.

Auch ein gerissenes Kreuzband oder Schulterband kann auch zu Schwierigkeiten führen, denn im Alter hat meist jeder bereits altersbedingte Abnutzungen der Bänder im Körper zu beklagen. Gerade diese Abnutzungen werden durch die Hightech Erkennungsgeräte in Krankenhäusern (MRT, CT) heutzutage natürlich aufgedeckt und die Versicherung verwehrt die Leistung. Es gibt hier bereits erste Anbieter, die eine solche degenerative Erkrankung, wie es im Fachjargon heißt, bis zu einem gewissen grad verzichten.

Insgesamt betrachtet gehört die private Unfallversicherung in Österreich definitiv zu den Versicherungsarten, die sehr sinnvoll ist. Wichtig kann die Unfallversicherung für Selbstständige und Freiberufler sein. Doch auch für andere kann diese Versicherung als zusätzlicher Schutz angesehen werden, besonders deshalb weil er rund um die Uhr gilt.

Weiterführende Beiträge

Wenn beim Krankenhausaufenthalt Sonderklasseleistungen wie zum Beispiel freie Arztwahl gefordert wird, gibt es eine spezielle Krankenzusatzversicherung. Zusätzlich kann man auch noch eine KFZ-Unfallversicherung abschließen.

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Die private Unfallversicherung in Österreich
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Die meisten Österreicher sind mit der gesetzlichen Unfallversicherung finanziell abgesichert, die allerdings nur in zwei Fällen eintritt. Für alle anderen Risiken, zum Beispiel Unfälle in der Freizeit sind diese Versicherungen nicht zuständig. Genau aus diesem Grund ist es sehr empfehlenswert, dass sich Bürger zusätzlich über eine Unfallversicherung absichern.
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